Der Schweizer Armee Rucksack

Sollten Krieg und Militär jemals zu etwas gut gewesen sein, dann für den Umstand, dass sie uns wunderbar robuste, nützliche und moderesistente Bekleidung und Ausrüstung beschert haben.

Dass sich dabei gerade die Schweizer Armee einen hervorragenden Ruf als Hersteller besonders wertiger Militaria erworben hat, ist längst weltweit bekannt. Gehörigen Anteil daran hat das berühmte multifunktionale Taschenmesser. Doch auch einen solch vergleichsweise konventionellen Gegenstand wie den Rucksack haben die Schweizer einst zu handwerklicher und funktioneller Perfektion gebracht.

Text: Mathias Lösel · Illustration: UvA

Die Schweizer und ihre Armee, das ist ein ganz besonderes Verhältnis.

Seit Jahrhunderten zählt die Verteidigung der Eidgenossenschaft zum allerhöchsten Gut des geschichtsträchtigen Alpenlandes. Das 1798 eingeführte und in dieser Form ausschließlich in der Schweiz existente Milizsystem versteht sich in der Einheit von Bürger und Soldat und schließt die weltweit einzigartige Volksbewaffnung ein. Die allgemeine Wehrpflicht und der im Zweiten Weltkrieg etablierte Réduit sind seit jeher „common sense“ und bedeuteten, dass jeder männliche Bürger zugleich Angehöriger der Armee (AdA) ist;

Uniform, Sturmgewehr und persönliche Ausrüstung wurden zu Hause aufbewahrt und führten zu dem einschlägigen Bonmot „Die Schweiz hat keine Armee, die Schweiz ist eine Armee!“ Die allgemeine Wehrpflicht wurde erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs nach und nach eingeschränkt, als man sich in Volksabstimmungen zur Reduzierung auf eine konstante Personalgröße von Heer und Luftwaffe einigte. Seit 2003 gibt es nun ca. 200.000 AdAs in der Schweiz. Der Stolz auf die Armee und die Errungenschaften der Eidgenossenschaft sind jedoch weiterhin groß, und so ist auch der persönliche Bezug zur soldatischen Ausrüstung bis heute gegeben.

Einen gewissen Kultstatus erlangte dabei der Standardrucksack der Infanterie.

Das erste bekannte Modell wurde ein ab Mitte der 1920er Jahre gefertigter Tornister, der von den Soldaten bald „Aff“ bzw. „Fällaff“ (Fell-Affe) genannt wurde. Das robuste rechteckige Teil wurde nämlich voll­ständig mit Ponyfell bespannt, was den Rucksack resistent gegen Regen und Schnee werden ließ. Schon damals wurden die Rucksäcke ausschließlich von Schweizer Sattlern handgefertigt, was den Aff heute zu einem gesuchten Sammle­r­objekt macht, das oft erst für dreistellige Beträge den Besitzer wechselt. Wer sich für Handwerks­kunst interessiert, kann die sog. Sattler­naht bestaunen, mit der Leder­riemen, Schließe und Trage­gurte befestigt wurden. Der Sattler zog dafür Leinenzwirn durch einen Klumpen Pech, um ihn zu imprägnieren, und nähte ihn anschließend geschickt durch das vorgestanzte Leder. Haltbarkeit: Ewig!

Der Aff wurde ab Ende der 1930er Jahre auch zu einer Art Erkennungszeichen der bis heute alles andere als unumstrittenen Bündischen Jugend. Endgültig abgelöst wurde der Tornister aufgrund seines geringen Tragekomforts und der starren Rückwand gegen Ende der 40er Jahre durch ein flexibleres, größeres und für den Soldaten leichter zu packendes Modell. Statt Ponyfell wurde nun imprägniertes und extrem robustes Segelleinen verwendet. Die Salz & Pfeffer-Optik des Leinen passte ideal zur Uniform der Schweizer Armee und erfüllte alle Tarn-Voraussetzungen für den Einsatz im Gebirge, so dass sich der neue Rucksack bald größter Beliebtheit erfreute. Dies sicherlich auch, weil die Logistikbasis der Schweizer Armee ihrer Tradition treu blieb und auch die neuen Rucksäcke ausschließlich bei Sattlern im ganzen Land von Hand herstellen ließ.

Diese Treue zeigt sich auch in einem ganz besonderen Detail: Die beiden Schulterriemen wurden an der Rucksack-Rückwand