Flaschenpost aus dem Schwarzwald

Schwarzwald Dry Gin ist eine Kreation im Gin Sortiment, die bereits die Gemüter erhitzt.
Der noch junge Gin aus Deutschland wird schon jetzt geliebt oder gehasst, wie einst der Bombay Sapphire, der eine Wende in der Gin-Kultur brachte. Geschmacklich sowohl rund als auch markant. Auch optisch ein Hochgenuss, doch für manche fast schon zuviel des Guten. Braucht ein Gin soviel? Soviel Styling, soviele Botanicals? Nein, ein Gin nicht, dieser aber schon.  Denn dieser hat eine Legende, er ist deutsch und es herrscht der Anspruch an absolute Perfektion. Selbst aus der Ursprungsstadt des Gins das Urteil: „Gold best in Class – Gin Worldwide“.  Der Geschmack ist ungewöhnlich komplex. Durch 47 Botanicals, die zu einem Drittel aus dem Schwarzwald stammen, entwickelt sich der Gin im Glas, in der Nase, im Mund, im Abgang wie ein guter Rotwein. Unterschiedlichste Geruchs- und Geschmacksnuancen zeigen sich. Der Gin mit der Affen-Geschichte könnte noch eigene Geschichte schreiben.

Text · Stefanie Kobayashi

Schon optisch ist er ein Genuss.

Erhältlich ist der Schwarzwald Dry Gin in einer eigens für die Black Forest Distillers angefertigten 0,5L Apothekerflasche aus Braunglas, welches dem kostbaren Inhalt Lichtschutz gewährt. Die Gestaltung des Emblems sowie des Verschlusses zeigt viele liebevolle Details. Zum Verschließen dient ein Korken mit einem gravierten Metallring. Das illustrierte Etikett erinnert an eine Briefmarke der viktorianischen Kolonialzeit. Viele winzige Details finden sich auf der Front, doch das Motiv des Javaneräffchens im Zentrum des Etiketts sticht besonders ins Auge und weist den Weg zur Legende, die dem Monkey 47 innewohnt. Sein Name ist Max.

Max war ein Javaneraffe im Berliner Zoo nach Ende des Zweiten Weltkrieges.

Sein Zuhause dort war durch den Krieg etwas zerstört worden, doch es fanden sich freiwillige, engagierte Menschen, die sich aktiv am Wiederaufbau des Zoos, und auch von Deutschland, beteiligten. Ein britischer Wing Commander der Royal Air Force, Montgomery Collins, war einer von ihnen. Er übernahm die Patenschaft für den Affen Max. Nach dem Dienst für die Royal Air Force blieb Collins in Deutschland und zog in den Schwarzwald, um die Uhrmacherei zu erlernen. Die Begabung dafür hielt sich in Grenzen und so wurde er Wirt seines eigenen Landgasthofs „Zum wilden Affen“.
Was ihm im Schwarzwald fehlte, war das britische Nationalgetränk, der Gin. So befasste er sich ausgiebig mit diesem Thema und produzierte seinen Eigenen, denn woran es nicht fehlte, waren die Zutaten die er benötigte: Wacholder, reines Quellwasser, Früchte und Kräuter. Es entstand eine einzigartige Ginrezeptur, kreiert durch die lokalen Begebenheiten des Schwarzwaldes.

Die Legende über den „Max the Monkey – Schwarzwald Dry Gin“ überlebte und fand ihren Weg in das interessierte Ohr von Alexander Stein.

Inspiriert von dieser beeindruckenden Vergangenheit gründete Alexander Stein 2008 die Black Forest Distiller GmbH und konnte den renommierten Brenner Christoph Keller für sein waghalsiges Projekt, die Wiederbelebung des Affen-Gins, gewinnen. Die Rezeptur, die Montgomery Collins hinterließ, war besonders und ein wenig exzentrisch, aber noch etwas unharmonisch und unausgereift, da sich Montgomery Collins auf die örtlich verfügbaren Zutaten verlassen musste.

Diese Ingredienzien stellen gut ein Drittel der insgesamt 47 enthaltenen Botanicals dar. Und gerade dieses Drittel geben dem Monkey Gin seine Einzigartigkeit, seine DNA. Extrem weiches Quellwasser, Fichtensprossen, wilder Eibisch, Brombeerblätter, Heckenröschen, Rosa Canina, Schlehen, sowie Salbei, Akazienblüten, Angelika, Kamille, Hagebuttenschalen, Eisenkraut und Weissdornbeeren sind einheimische, handverlesene Bestandteile und zählen nicht unbedingt zu den typischen Gin-Gewürzen. Die einheimische Preiselbeere ist Herz und Seele des Gins, die dem Monkey aromatisch das ganz besondere Etwas verleiht.

Der Qualitätsanspruch der Black Forest Distillers erforderte allerdings eine ausgiebige Weiterentwicklung der Rezeptur, um einen Gin zu schaffen, der würdig ist, mit den Besten mitzuhalten.

Warum sonst sollte ein deutscher Gin einem englischen vorgezogen werden?

Der Versuch, „britische Traditionen, die Exotik Indiens und die Reinheit und Ursprünglichkeit des Schwarzwaldes mit handwerklicher Meisterschaft“ zu vereinen, schien ein waghalsiges Projekt, welches zwei Jahre und 100 Testdestillate erforderte, die zu sieben Favoriten schrumpften.

Das Ergebnis ist ziemlich komplex in der Nase, im Geschmack und im Abgang. Floral, spritzig, würzig und angenehm mild. Nichts wurde bei diesen Noten dem Zufall überlassen. Das Verfahren ist eine Kombination aus Destillation des Mazerats, den 36 Stunden in rektifiziertem Ethylalkohol und Schwarzwälder-Quellwasser eingeweichten pflanzlichen Zutaten, und der Dampfextraktion über einen Geistkorb. Durch die Dampfextraktion über frisches pflanzliches Material kann der Brenner das Destillat punktuell steuern. Danach darf das Destillat auch noch in traditionellen Steingutgefäßen drei Monate ruhen und mit Sauerstoff harmonisieren, um seine schöne Aus-gewogenheit zu bekommen. Die meist übliche Kältebehandlung wird zur Aromenschonung weggelassen. Seine 47% Trinkstärke wird mit dem Schwarzwälder-Wasser erzeugt.

Allein schon der Name des Schwarzwald Gin inspiriert Barkeeper zu erfrischenden, neuen Cocktail-Kreationen, wie den Monkeypolitan. Aber eigentlich braucht dieser Gin durch seine Komplexität nichts außer einem schönen Glas und ein paar gute Eiswürfel.

www.monkey47.com