KAWECO

„Immer Das Geschenk“ wirbt eine alte Werbeanzeige der Firma Kaweco.

Es sind hochwertige Schreibgeräte – Füllfederhalter, Kugelschreiber und Bleistifte – Made in Germany, die sich aufgrund ihrer markanten Form als Geschenk unter Freunden oder eben auch als Werbegeschenk bestens eignen.

Text · Stefanie Kobayashi · Fotos: KAWECO

Werbegeschenke haben einen schlechten Ruf.

Sie werden massenhaft in China produziert, mit einem Firmenlogo gebrandmarkt, verschenkt und bei der besten Gelegen­heit weggeschmissen, obschon sie noch vollkommen funktionstüchtig sind. Sie haben nichts mehr von dem, was ein Geschenk bezwecken soll. „Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft“ heißt es so schön, aber unpersönliche Verlegenheits­geschenke drehen den Effekt der Überraschung und Freude in ein verdrießliches Gefühl. „Wer schenkt, bleibt in Erinnerung“ funktioniert auch nur dann, wenn sich das Geschenk abhebt und einen Erinnerungs­wert hat, eine Beziehung zum Beschenkten aufbaut – und das funktioniert nur kurzfristig alleine über Originalität. Entscheidend bleibt die Qualität und Verwendbarkeit

Verschenkt Mann einen Stift, wird dabei die Fähigkeit, zu schreiben, Gedanken festzuhalten und sich anderen mitzuteilen, mit verschenkt.

Ein guter Stift oder eine Schreibgarnitur ist das beste Geschenk in der Familie, unter Freunden oder Bekannten nach einem abgeschlossenen Bildungsschritt – der Schule, der Ausbildung oder der Universität. Mann verschenkt Respekt vor einer Leistung und ein symbolisches „Ich bin stolz auf dich“.

Es müssen nicht immer Stift-Ikonen sein, die ein Zeichen setzen und „klein“ kann durchaus „fein“ sein.

Das Unternehmen Kaweco stellt seit 1883 Füllfederhalter her. Am Anfang stand nur ein kleines Schreibwarengeschäft, das Goldfedern aus New York verkaufte und Federhalter aus Holz selbst produzierte. Die Heidelberger Federhalterfabrik ging aus diesen bescheidenen Anfängen hervor. Sechs Jahre später wurde die Federhalterfabrik übernommen von den Herren Koch (Ka) und Weber (We). Mit der Zusatzbezeichnung „Compagnie“(Co) war dann der Markenname komplett. Die badischen Tintenfreunde entwickelten anschließend den ersten Taschenfüllhalter. Den Kaweco Sport gab es 1910 für Sportsleute, Offiziere und Damen. Das übliche Tropf- und Klecksproblem war zu der Zeit zwar noch nicht gelöst, aber der kompakte und robuste Stift mit Clip als Sonderzubehör fand großen Anklang. Als letzte Amtshandlung verpassten Koch und Weber dem Sportmodell 1929 ein markanteres Profil. Unglückliche Umstände führten kurz danach, trotz einer positiven Auftragslage, zum wirtschaftlichen Zusammenbruch. Unter neuen Besitzern wurde 1934 der unverwechselbare achtkantige Korpus entwickelt. Bereits im frühen 20. Jahrhundert warben Reedereien und Eisenbahn­gesell­schaften mit Federhaltern und Drehbleistiften der Marke. Um 1950 waren ausgewählte Schreibgarnituren Lieblings­werbeträger für Versicherungen und Brauereien. In den 60er Jahren vertrauten Automobilhersteller und Chemische Industrie auf die Werbewirkung von Kaweco-Produkten.

Besonders die Klassik Sport-Serie besitzt seit 1935 – in ihrer Gestaltung unverändert – einen hohen Wiedererkennungswert.

„Klein in der Hose – groß in der Hand“, ein von den Außendienstlern oft gebrauchter Slogan, beschreibt mit seiner Zweideutigkeit treffend den Haupt­charakter der Schreib­garnitur – immer und überall dabei zu sein. Auslaufsicher in der Hosentasche, wenn Mann dann mal keine Weste oder Jacke trägt. Geschlossen nur 10,5 cm und offen 13,5 cm lang.

Der achtkantige Klassik Sport erwies sich im Rückblick auf die gesamte Kaweco Geschichte als Herz der Marke. Doch das Herz blieb im Jahre 1980 stehen.

Eine süddeutsche Familie namens Gutberlet hauchte Kaweco erst nach 14 Jahren wieder Leben ein. 1994 ließ sie die Marke wieder auferstehen. Seit den 50er Jahren bestand eine Verbindung der Familie zu Schreib­geräten. Horst Gutberlet war zu Beginn seiner Karriere Betriebs­elektriker in einer Bleistiftfabrik, machte sich allerdings 1960 selbständig. Seine Geschäftsidee entstammte dem Vorbild der Automobilindustrie: Der Vertrieb von speziellen Baugruppen, wie beispielsweise Kugel­schreiber­minen und -mechaniken, Schäfte und Kappen. Früher hatte dafür jede Fabrik eine eigene Fertigung, aber durch Gutberlets Unternehmen hatte jeder Hersteller Zugriff auf die besten Komponenten für Schreibgeräte. In diesem Markt war das zu jener Zeit nahezu revolutionär und mit großem Erfolg verbunden, sodass Gutberlet Senior schon bald ganz Europa betreute.

Die persönliche Sammelleidenschaft von Füllfederhaltern, ausgelöst durch einen einzigartigen italienischen Füller vom Flohmarkt, gab letztendlich den entscheidenden Impuls.

Bei der Suche nach solchen Schätzen tauchte immer wieder der Kaweco Sport aus allen Jahrzehnten auf. Wovon jeder Einzelne aufgekauft wurde.

Leider wurde beim Konkurs von Kaweco alles Wichtige auf den Müll gebracht und alte Werkzeuge, Maschinen und Ware für immer vernichtet. Das machte es am Anfang schwer, die Produktion der alten Klassiker zum Laufen zu bringen. Doch wo ein Wille ist, findet sich auch ein Weg. Die Stiftschäfte werden überwiegend in Spritzgussverfahren hergestellt. Einige Sondermodelle, wie der AL Sport, werden aber, wie früher, aus einem Block herausgedreht. Die Federn werden bei Peter Bock AG in Heidelberg produziert, einem Lieferanten mit fast 80 Jahren Erfahrung. Die einzigen Elemente, die nicht in Deutschland produziert werden, sind die Bleistift- und Multifunktionsmechaniken – diese stammen aus Japan, da die Japaner auf dem Gebiet der „fein“ schreibenden Schreibgeräte unschlagbar sind. Anfragen für alte Ersatzteile können zum Bedauern der jetzigen Inhaber von Kaweco im Moment nicht positiv beantwortet werden – späte Folge der Entsorgung aller Maschinen in schlechteren Zeiten. Dafür müssten die alten Werkzeuge also erst aufwendig rekonstruiert werden – und genau das ist der Traum von Michael Gutberlet, dem derzeitigen Geschäftsführer. Mit seinem Engagement für Kaweco stösst er weltweit auf Resonanz, Made in Germany ist immer noch gefragt, auch bei Schreibgeräten.

Und so könnte es auch wieder mit den Werbegeschenken sein. Es wäre doch schön, wenn sich Qualität gegen Wegwerfprodukte durchsetzen könnte. „Werte und Wertschätzung auf dem Papier ausdrücken“, wie es die Firmenphilosophie vorgibt.

www.kaweco-pen.com