TONIC(UM)

Ein anstrengender Tag, der Kreislauf schwach – was gibt es Besseres als ein kleines Tonikum, ein Stärkungsmittel. Zu viele chemische Energydrinks, die hauptsächlich aus Zucker bestehen, wollen ein solches sein. Lebertran dagegen ist ein echtes Tonikum, doch da kommen böse Kindheitserinnerungen hoch. Das Tonic Wasser mit dem enthaltenen Chinin ist eine wohlschmeckendere Wahl. Pur getrunken, leicht bitter im Geschmack, ist es nicht Jedermanns Sache. Gemischt mit Gin harmoniert es herrlich mit der Wacholdernote und wird zu einem sehr bekömmlichen, belebenden Getränk.

Illustration: UvA

Die peruanischen Inkas wussten von der heilsamen Wirkung der Rinde des Chinabaums und teilten dieses Wissen, um 1620, spanischen Jesuiten mit.

Die Countess of Chinchon, Ehefrau des Vizekönigs von Peru, konnte dank einer Tinktur aus der Rinde des Baumes von Symptomen der Malaria geheilt werden. Ihr zu Ehren wurde der Baum als „Chinchona-Baum“ benannt, der seitdem das erfolgreichste Mittel gegen Fieber und Malaria, dass als Chinin bekannte Pulver, liefert.

In der britischen Ostindien-Gesellschaft wurde das bittere Pulver zur Malariavorbeugung von den britischen Soldaten, gelöst in Sodawasser, täglich eingenommen. Um 1825 fingen Offiziere an, das übel schmeckende Prophylaxe-Mittel mit ihrem Gin zu mischen. Der Gin Tonic war geboren! Und durch die Zugabe von Zitronenscheiben galt der Gin Tonic obendrein noch als Mittel gegen Skorbut.

Effektive Malaria-Prophylaxe kann das heutige Tonic Wasser mit Chinin als geschmacksgebendem Inhaltsstoff nicht gewährleisten, denn die Menge an enthaltenem Chinin ist wesentlich geringer als damals, als das Tonic aufgrund der extremen Bitterkeit ziemlich brechreizerregend war. Im Schweppes Tonic beispielsweise ist nur 6,8mg Chinin auf 100ml enthalten. Ungefähr ein Gramm müsste konsumiert werden, um Malaria vorzubeugen, also circa 15 Liter Tonic getrunken werden. Bei zu hohen Dosen ist Chinin aber auch toxisch und kann unter anderem zu Erblindung, Herzlähmung und, ab 8 – 10 Gramm, zum Tod durch Atemlähmung führen. In geringer Dosierung jedoch hat Chinin eine fiebersenkende Wirkung und findet Verwendung in der Arzneimittelindustrie und eben auch in der Getränkeindustrie.

Das weltbekannte Schweppes Indian Tonic Water hat mittlerweile Konkurrenz bekommen. So findet Mann in guten Bars und manchen Restaurants zur Gin-Auswahl, die weit hinausgeht über die Klassiker Bombay Sapphire, Tanqueray und Hendricks, auch eine gute Auswahl an Tonics zur perfekten Symbiose. Fever Tree, Thomas Henry und Fentimans erweitern das nennenswerte Tonic Portfolio als Premiumprodukte, die leider oft nur schwer erhältlich sind. Ausprobieren lohnt sich.

Im besten Fall hat der Barkeeper des Vertrauens auch zum Gin die passende Tonic-Empfehlung parat und gegebenenfalls auch eine schöne Aromatisierung, die über die Standardzitronenscheibe oder gepresste Limettenspalte hinausgeht. Orangen- oder Grapefruitzesten geben ein feines Aroma und harmonieren toll mit den Citrusnoten des Gins. Aus Spanien kommt der Trend der Aromatisierung mit frischen Beeren oder Basilikum. Hauptsache es schmeckt!

Meine Favoriten bei der ausgiebigen Gin-Recherche waren Finsbury Platinum mit Fever Tree Tonic und Geranium Gin mit Grapefruitzeste und Thomas Henry Tonic.
Also stärken wir uns doch gegen die tägliche Bedrohung durch Malaria und Skorbut und trinken Gin Tonic. Auf die Gesundheit!

www.fever-tree.com · www.fentimans.com · www.thomas-henry.de · www.schweppes.de · www.geraniumgin.com